Mehr als ein normaler Colorado-Trip war das ein Wiedersehen nach langer Trennung. Das Besondere: Ich konnte Tami nicht nur Sehenswürdigkeiten zeigen, sondern mein Leben: meinen Alltag in Boulder mit Campus, Dining Hall, Rec Center, Freunden, Partys und dieser perfekten Boulder-Herbststimmung. Drumherum passte unfassbar viel Amerika in zwei Wochen: Pumpkin Patch, Wapitis im Rocky Mountain National Park, Pikes Peak als Fourteener per Auto, Goldrush-Orte an der I-70, New Belgium Brewery, Halloween-Party, Schnee an den Flatirons und eine Firing Range mit Nick als direkter Blick in die amerikanische Waffenkultur.
„Happy wife, happy life - und für zwei Wochen war Boulder wieder ein bisschen Zuhause zu zweit."
- Das Wiedersehen mit Tami nach der langen Trennung im Auslandssemester
- Campus-Alltag zeigen: Kittredge Field, Rec Center, Squash, Dining Hall und Freunde
- Bear Lake im Sonnenuntergang mit perfekter Spiegelung im Wasser
- Pikes Peak Summit auf 14.115 ft / ca. 4.302 m mit dünner Luft und heißen Bremsen
- New Belgium Brewery in Fort Collins, weil Tami dort richtig aufgegangen ist
- Halloween-Party, Temperatursturz und verschneite Flatirons
- Firing Range mit Nick als Lehrer für Technik und Sicherheit
Tamis Besuch begann am 17. Oktober nicht mit einem großen Roadtrip, sondern mit etwas viel Wichtigerem: Wiedersehen. Auslandssemester bedeutet lange Trennung, viele Zeitzonen-Gespräche und dieses Gefühl, dass man dem anderen zwar ständig erzählt, was man erlebt, er aber trotzdem nicht wirklich im eigenen Alltag steht. Als ich Tami am Flughafen abholte, war deshalb das Schönste erstmal, dass sie wirklich da war.
Sie hatte mir eine halbe Versorgungslieferung aus Deutschland mitgebracht: Snacks, Nüsse, Proteinsachen und sogar Spezi. Für mich als Spezi-Liebhaber war das ein super romantisches Geschenk. Am Ende war dieser Besuch deshalb nicht nur “Tami sieht Colorado”, sondern “Tami sieht mein Leben in Boulder”.
Boulder Zeigen
Am 18. Oktober zeigte ich ihr erstmal den Campus. Der Weg von meiner Unterkunft Richtung CU Boulder war ohnehin wunderschön, besonders vor The Lodge, über das Kittredge Field mit dem See und dann hinein in diesen Campus, der im Herbst fast unfair gut aussah. Die Bäume waren verfärbt, das Wetter perfekt, und alles hatte diesen goldenen Colorado-Filter.
Ich zeigte ihr das Rec Center (Fitness Center der Uni) und konnte ihr für ihre Zeit einen Pass organisieren. Wir spielten Squash - und Tami war überraschend gut. Das wurde während ihres Besuchs fast zu einem kleinen gemeinsamen Ritual. Ich zeigte ihr den Champions Plaza, das Football Field, die Bibliothek und das Memorial Center, wo wir ihr erstmal einen Hoodie kauften. Die Wege über den Campus, die Dining Hall mit dem amerikanischen All-you-can-eat-Studentenessen und später auch den CU NightRide, also diesen kostenlosen Fahrservice für Studierende, der sich fast wie ein Campus-Uber anfühlte.
Abends lernte sie meine Freunde kennen. Es war Rubys Geburtstag, wir gingen aus, und es war schön zu sehen, dass das mit dem Englischen und mit der Gruppe wirklich funktionierte. Tami war nicht nur mitgereist, sie konnte für zwei Wochen in meinem Boulder-Leben andocken.
Auch die kleinen Alltagssachen gehörten dazu: Wir gingen auf die Flatirons, kauften ihr einen schönen Colorado-Hoodie, waren in der Dining Hall essen, gingen ins Rec Center, spielten Squash und waren auf Partys. Genau diese Dinge machten den Besuch emotional wichtiger als die Sehenswürdigkeiten. Ich konnte ihr zeigen, wo ich esse, trainiere, feiere, lerne und mich bewege.
Pumpkin Patch und Rocky Mountain National Park
Am 20. Oktober begann dann der erste große Ausflug. Tami war genau zur richtigen Zeit da, weil in den USA langsam der ganze Halloween-Apparat anlief. Unser erstes Ziel war Anderson Farms bei Erie: Pumpkin Patch, Maisfeld und eine Pumpkin Cannon, die Kürbisse mit Druckluft über das Feld schoss. Sehr amerikanisch, sehr laut, sehr unterhaltsam.
Tami ging beim Kürbisse-Pflücken komplett auf. Das war genau ihr Ding: Herbst, Kürbisse, Fotos, Farm, ein bisschen Girly-Spaß.
Danach fuhren wir weiter nach Estes Park. Dort schauten wir uns das Stanley Hotel an, das durch seine Verbindung zu Stephen King und The Shining diesen besonderen Grusel-Mythos hat. Wir waren nur kurz drin und bestaunten es vor allem von außen, aber an diesem trockenen, klaren Herbsttag sah das Hotel mit den Bergen dahinter schon stark aus.
Anschließend fuhren wir in den Rocky Mountain National Park. Wir hielten an Aussichtspunkten wie dem Many Parks Curve Overlook und Horseshoe Park und sahen immer wieder Tiere mit großen Geweihen. Sehr wahrscheinlich waren das Wapitis, also elk - genau diese Tiere sind im Park besonders präsent, und im Herbst ist ihre Brunftzeit ein eigenes Naturschauspiel.
Der schönste Moment des Tages war der Sonnenuntergang am Bear Lake. Das Licht lag weich auf den Bergen, und im Wasser spiegelte sich die Landschaft fast perfekt. Das war einer dieser Momente, in denen man nicht mehr viel machen muss außer schauen und Fotos machen.
Gleichzeitig war der Rocky Mountain National Park für mich schwer zu bewerten. Er ist objektiv wunderschön, keine Frage. Aber ich kam aus München, kannte Berge, und hatte durch Boulder, Nederland und die ganze Front Range schon viele Perspektiven auf diese Landschaft gesehen. Dadurch wirkte der Park für mich nicht wie ein komplett anderer Planet, sondern eher wie ein besonders gut zugänglicher, gut vermarkteter Ausschnitt einer Bergwelt, die auch außerhalb der Parkgrenzen stark ist.
Abends waren wir wieder in Boulder auf einer Party. Dort zeigte Nick uns im Keller seine Sammlung und erklärte, was man da überhaupt vor sich hat: Sturmgewehre, Pistolen, Repetiergewehre, alles Mögliche. Wir fanden vor allem diese Selbstverständlichkeit daran lustig: Für ihn war das nichts Großes, sondern eher etwas, das je nachdem, wo er gerade wohnte oder unterwegs war, einfach mit dabei war. Für mich war es trotzdem ein direkter Blick in einen Teil amerikanischer Alltagskultur, der aus Europa völlig fremd wirkt.
Pikes Peak per Auto
Am nächsten Tag fuhren wir früh Richtung Pikes Peak. Ich hatte viel davon gehört, auch weil Garrick aus Colorado Springs kam und erzählt hatte, dass er einmal bei der Bahn auf den Berg gearbeitet hatte. Sein Fun Fact blieb hängen: Gerade die Zugfahrt kann für Menschen mit schlechter Kondition problematisch sein, weil es schnell auf über 4.000 Meter geht und man nicht einfach spontan umdrehen oder anhalten kann wie mit dem Auto. Ob das statistisch wirklich die gefährlichste Variante ist, würde ich vorsichtig formulieren - aber der Gedanke war ein schönes Beispiel dafür, wie kontraintuitiv Höhe sein kann.
Wir nahmen die amerikanische Variante und fuhren mit dem Auto hinauf. Das ist schon absurd bequem: Man “besteigt” einen Fourteener, indem man Serpentinen hochfährt. Aber ich muss zugeben, mir gefiel dieses Cheaten. Ich fahre gerne Auto, und ein Teil von mir ist bei solchen Dingen auch einfach ein kleiner Faulboy.
Oben auf dem Gipfel war es trotzdem beeindruckend. Pikes Peak liegt auf 14.115 ft, also rund 4.302 Metern, und damit war ich außerhalb eines Flugzeugs noch nie so hoch gewesen. Man merkte die Höhe sofort: Die Luft war dünn, die Ausdauer ging schneller runter, und es war kalt. Besonders spannend fand ich den Blick nach Osten. Dort endet die Front Range fast messerscharf, und Colorado kippt von Bergen in endlos flache Plains. Diese geografische Linie - hier Gebirge, dort Ebene - fand ich fast interessanter als den Gipfel selbst.
Auf der Abfahrt wurde uns dann auch klar, dass diese Autovariante nicht völlig harmlos ist. Die Straße ist steil, kurvig und an vielen Stellen ohne das Sicherheitsgefühl, das man aus den Alpen kennt. Dazu kam unser Automatik-Mietwagen: Die Bremsen wurden so heiß, dass wir von Rangern rausgezogen wurden und erstmal abkühlen lassen mussten. Plötzlich war der bequeme Fourteener doch nicht mehr ganz so bequem.
Danach fuhren wir weiter zum Garden of the Gods. Wir kamen leider einen Tick zu spät, sodass das richtig spektakuläre Sonnenuntergangslicht schon fast weg war. Trotzdem waren die roten Sandsteinformationen stark. Es ist einer dieser Orte, bei denen man nicht lange argumentieren muss: Wenn man in Colorado Springs ist, sollte man ihn mitnehmen.
South Park, Breckenridge und Dillon
Am 22. Oktober ging es weiter in Richtung Berge und I-70. Das erste Ziel war Fairplay. Ich bin großer South Park-Fan und wollte unbedingt sehen, woher dieser Mythos kommt. Vor Ort war es dann eher ein nettes Gimmick als ein großer Moment. Das Schild musste natürlich fotografiert werden, aber South Park City war geschlossen, und insgesamt war dort nicht wahnsinnig viel los.
Interessanter wurde es danach in Breckenridge. Der Ort hat diese Mischung aus Ski-Ort, Goldrausch-Geschichte und Wildwest-Kulisse. Besonders cool fand ich die alten Eisenbahnspuren und eine riesige Schneefräse am Zug. Da wird einem bewusst, welcher Kampf gegen die Elemente nötig war, um diese Orte in den Bergen überhaupt zu erschließen.
Die Herbstfarben waren schon etwas über ihren Höhepunkt hinaus, aber einige Aspen Trees standen noch golden in der Landschaft. Gleichzeitig merkte man überall, dass Halloween in den USA kein kleines Deko-Thema ist. Manche Gärten sahen buchstäblich aus wie Tatorte: Polizei-Tape, blutige Laken, Müllsäcke, die wie eingewickelte Leichen aussahen. In Deutschland hätte bei manchen Vorgärten wahrscheinlich jemand die Polizei gerufen.
Zum Sonnenuntergang hielten wir am Dillon Reservoir. See, Berge, klares Herbstlicht: Das war nochmal ein ruhiger Gegenpol zu den langen Fahrten. Wir übernachteten irgendwo im Summit County, also in dieser Bergregion rund um Dillon, Frisco und Breckenridge.
Am 23. Oktober machten wir noch eine kleine Wanderung bei Frisco zum Rainbow Lake. Das Wetter blieb ein Traum: trocken, klar, sonnig. Dann ging es weiter Richtung Arapahoe Basin. Als wir am Skigebiet vorbeikamen, lag dort praktisch noch kein Schnee. Am 23. Oktober war das ein kurzer Schluck-Moment: Wenn so die Saison startet, kann das ja noch was werden.
Wir fuhren über den Loveland Pass und damit über die Continental Divide. Solche Orte mochte ich in Colorado sehr: Man fährt einfach mit dem Auto über eine geografische Linie, die auf der Karte riesige Bedeutung hat. Danach hielten wir noch in Georgetown, dem historischen Ort an der I-70, der für die Georgetown Loop Railroad bekannt ist.
Campus-Woche, Denver und Schnee
Nach dem Roadtrip-Block wurde es wieder mehr Boulder-Alltag. Am 25. Oktober waren wir auf einer Party, am 26. wieder im Rec Center - diesmal sogar auf der Eislaufbahn. Das Fitnessstudio hatte einfach eine eigene Ice Rink. Wir waren dort mit Ruby, Nathan und anderen, und genau solche Details machten den Campus für Tami greifbar: Nicht nur Uni, sondern ein ganzes kleines System aus Sport, Essen, Wegen, Services und sozialem Leben.
Am 27. Oktober machten wir einen Ausflug nach Denver. Wir kauften schon für die Halloween-Party ein, aßen Fast Food und schauten uns ein bisschen die Stadt an. Denver war nie mein großer Sehnsuchtsort, aber als Ausflug aus Boulder war es gut: einmal Großstadtluft, Einkaufen, Essen und wieder zurück.
Am 28. Oktober hatten wir wieder ein Mietauto und fuhren nach Fort Collins. Die New Belgium Brewery war wahrscheinlich einer der schönsten Einzelmomente für Tami. Wir machten eine Tour, zapften Bier, lernten etwas über Bierherstellung und den amerikanischen Biermarkt. Ihr gefiel das richtig gut - und manchmal ist genau das der Maßstab. Happy wife, happy life.
An diesem Tag kippte das Wetter brutal. Am Wochenende davor hatten wir noch fast 30 Grad gehabt, jetzt schneite es plötzlich und nachts gingen die Temperaturen in Richtung minus 14 Grad. Colorado zeigte innerhalb weniger Tage seine ganze Spannweite. Abends ging es trotzdem auf eine Halloween-Party mit der Aussie- und Kiwi-Gruppe. Ich hatte mit Maske und Machete wahrscheinlich das gruseligste Outfit des Abends.
Am 29. Oktober lag dann richtig Schnee. Wir gingen nochmal Richtung Flatirons, die jetzt weiß überzuckert waren. Für Tami war das perfekt: Sie hatte Boulder erst im goldenen Herbst gesehen und dann direkt noch mit Winterfilter. Am Abend waren wir bei Stand-up-Comedy, nochmal beim Sport und im Markt - wieder so ein Mix aus Alltag und kleinen Erlebnissen.
Am 30. Oktober hatten wir offenbar nochmal ein Mietauto und fuhren erneut in die Berge. Wir waren bei einem Trail in der Gegend um Crescent Meadows unterwegs und wären mit dem Auto fast stecken geblieben. Das war so ein klassischer Colorado-Moment: wunderschön, wild, aber plötzlich auch ein bisschen unberechenbar.
Firing Range und Abschied
Zum Ende des Besuchs ging es dann mit Nick auf die Firing Range. Dort war er ein richtig guter Lehrer für die Technik: wie man steht, wie man die Waffe hält, wie man mit dem Rückstoß umgeht und worauf man aus Sicherheitsgründen achten muss. Er half mir an dem Tag sogar noch zu einem Bullseye-Treffer, was sich in diesem Moment natürlich komplett absurd und großartig anfühlte. Wir schossen mit verschiedenen Waffen - Hunting Rifle, Pistolen, Repetiergewehr, AK-47, AR-15, M22. Das war ein krasser Einblick.
Für mich bestätigte es vor allem, dass Waffen in Teilen der amerikanischen Gesellschaft wirklich ein normales Hobby sind. Ich fand es nicht nur verstörend, sondern auch irgendwo legitim als Hobby - aber eben aus europäischer Perspektive sehr fremd. Der erste Schuss bleibt hängen: Rückstoß, Kraft, Lärm. Selbst mit Gehörschutz spürt man, wie brutal laut so etwas ist. Ohne Schutz wäre das Gehör sofort durch.
Am Ende kauften wir Tami noch ihren Stanley Cup, was als kleines Amerika-Mitbringsel ziemlich gut passte. Am 31. Oktober hieß es dann Abschied nehmen. Wahrscheinlich war genau das Wiedersehen und gemeinsame Alltag-Leben der schönste Moment des ganzen Besuchs - mehr noch als Bear Lake, Pikes Peak oder Fort Collins. Die Sehenswürdigkeiten waren stark, aber das Eigentliche war, dass sie für zwei Wochen Teil meines Boulder-Lebens war.
- Rocky Mountain National Park war schön, aber für mich als Münchner und Boulder-Bewohner nicht komplett anders als die Bergwelt drumherum
- South Park City in Fairplay war geschlossen und blieb eher ein Fan-Gimmick
- Garden of the Gods hätten wir noch etwas früher vor Sonnenuntergang erwischen müssen
- Der Temperatursturz von fast sommerlich zu bitterkalt war brutal
- Rocky Mountain National Park einmal mit mehr Zeit und einer richtigen Wanderung erleben
- South Park City in Fairplay geöffnet sehen
- Garden of the Gods bei perfektem Golden-Hour-Licht fotografieren